Ohne Handy ist es nicht so stressig

Eine wertvolle Erfahrung haben Pia Venneker, Karen Klockewitz, Angela Ruch, Nadine Steincke und Maurice Buschhorn in der vom Smartphone befreiten Schulwoche gemacht.
Foto: hbm


Ascheberg - Zurück in der digitalen Welt: Fünf Zehntklässler der Realschule Ascheberg haben nach einer Schulwoche Abstinenz gestern ihre Smartphones wieder angestellt. „Diese Woche war eine wertvolle Erfahrung“, zieht Angela Ruch Bilanz und in der Runde wird vier Mal genickt. Die Erfahrung: Es geht nicht alles und nicht immer ohne Smartphone, aber es gibt Phasen im Tagesverlauf, in denen das Gerät nicht vermisst wird.

„Ohne Smartphone wird es ruhiger“, hat Maurice Buschhorn festgestellt. „Man hört besser zu und ist aufmerksamer, wenn man sich unterhält“, ist Angela Ruch in der handylosen Zeit aufgefallen. „Wenn man am Computer sitzt, stört kein Klingeln“, berichtet Karen Klockewitz. Pia Venneker bringt es so auf den Punkt: „Es ist nicht so stressig.“ Wenn digitale und reale Welt gleichzeitig bedient werden wollen, sieht es anders aus.

Mit der freiwilligen Erfahrung in dieser Woche fällt es einfacher, das Smartphone in der Schulzeit nicht zu nutzen. „Es ist morgens während der Schulzeit nicht so wichtig, wie ich es vorher gedacht habe“, umschreibt Nadine Steincke diesen Aspekt. Und überhaupt. Einiges, was die Alleskönner beherrschen lässt sich anders erledigen. „Ich habe einen Wecker und einen MP-3-Player gehabt“, berichtet Karen Klockewitz.

Eine Situation, wo das Smartphone quasi als „Notruf-Gerät“ benötigt wurde, gab es nicht. Nadine Steincke erzählt: „Einmal wollte ich meine Mutter anrufen, um zu sagen, wo ich bin. Das ging dann nicht.“ Ärger gab es deswegen nicht, Im Gegenteil: Die Teilnahme an dem WN-Experiment wurde daheim begrüßt.

Die Jugendlichen haben freiwillig verzichtet. „Am Dienstagabend habe ich es einmal nicht ausgehalten, danach aber gleich wieder ausgemacht“, gibt Maurice Buschhorn zu.

Beim Anstellen der Geräte wird gleich klar, wofür sie besonders benötigt werden: WhatsApp. Nadine Steincke zählt eine entgangene SMS, drei Facebook-Nachrichten und 619 Nachrichten in sieben Chats bei WhatsApp. Maurice Buschhorn kommt auf 254 Nachrichten in fünf Chats, Angela Ruch bringt es auf 1200 Nachrichten. „Einige wollten uns zuspammen und haben das wohl getan“, schüttelt sie den Kopf.

Die handylose Woche hat ein bisschen die Augen für den Umgang mit dem Smartphone geöffnet. Ob das längere Wirkung hat? „Das werden wir in den nächsten Wochen sehen“, ist Angela Ruch gespannt, ob die wertvolle Erfahrung auch nachhaltig ist.

Quelle: Westfälische Nachrichten vom 07.06.2013